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blog.mindestlohn.de

schrieb am Mittwoch 1. März 2006:

Initiative Mindestlohn

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Die Initiative Mindestlohn ist ein überparteiliches und zeitlich befristetes Bündnis von Einzelpersonen und Organisationen für die Einführung eines gesetzlichen Mindestlohns in Deutschland.

Im Zuge des anhaltenden Umbaus des Sozialstaats sind vielfältige Regelungen verloren gegangen, die der Sicherung von sozialen Mindeststandards in Deutschland gedient haben. Die Folge ist ein sinkendes Einkommensniveau und eine wachsende Zahl arbeitender Menschen, die trotz Arbeit arm sind und keine Chance auf Verbesserung ihrer Lebenssituation haben.

Die Einführung eines gesetzlichen Mindestlohns, wie er in den meisten europäischen Ländern und in den USA üblich ist, ist ein wichtiger Baustein zur Sicherung sozialer Mindeststandards. Vor dem Hintergrund der zu erwartenden europäischen Dienstleistungsrichtlinie ist der gesetzliche Mindestlohn in Deutschland unverzichtbar geworden.

Die Initiative Mindestlohn ist der Überzeugung, dass Arbeit nicht arm machen darf. Daher wird ein gesetzlicher Mindestlohn in Höhe von 7,50 Euro pro Stunde angestrebt, der schrittweise auf 9,00 Euro erhöht werden soll.

Gegründet wurde die Initiative Mindestlohn im Januar 2006 gemeinsam von der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) und der Vereinten Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di). Wissenschaftlich begleitet wird die Initiative vom Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Institut (WSI) der Hans-Böckler-Stiftung. Die Initiative Mindestlohn ist offen für alle, die für die Einführung eines gesetzlichen Mindestlohns in Deutschland eintreten.

Homepage der Initiative Mindestlohn: www.mindestlohn.de [http://www.mindestlohn.de]

URL des Textes: http://blog.mindestlohn.de/0/viewentry/752


Kommentare

Antoine Louis am 10. März 2006

Wer will mit 6€ oder 7,50€ pro stunde Leben in Deutschland 7,50€ mal 169 Stunden = 1267,50€ Brutto Steuerklasse 1 = 887,25€, minus 400€ warm miete,reste 487,25€ zum Leben und dazu sagt Herr Muentefering Sie Sollen Selber Sparen für Ihre Rente Ah! Ah!


fünf nach fünf am 10. März 2006

Bei Steuerklasse I, 13,2% KV-Beitrag, Kirchensteuerplicht in Hessen ergeben 1267,50€ brutto ungefähr 924,79€ netto.
(www.nettolohn.de)

Also fast 50 Euro mehr. Für einen Alleinstehenden ist das mehr als genug. Und wer eh schon wenig hat muss für seine Rentenlücke ja auch nicht so viel ansparen.

Die Gründung einer Familie will natürlich gründlich überdacht werden.


Ernst W. am 10. März 2006

Ehrliches Geld für ehrliche Arbeit!

Ich bin für 9 Euro Mindestlohn. Im nächsten Jahr sollte dann auf 10 oder 11 erhöht werden. 9 Euro sind bei einer 35 Stunden Woche EUR 1.260. Das sind nur knappe DM 2.500. Wie soll man davon ein gutes Leben führen?

Dabei fallen die Argumente, das es mehr Arbeitslose geben wird doch nicht so ins Gewicht. Wenn endlich wieder mehr gezahlt wird, werden auch mehr Leute wieder Arbeiten.

Außerdem sollte jeder bereit sein, dafür auch mehr zu Zahlen (Geiz ist ungeil). Die Preise in den Supermärkten und in der Gastronomie sind ohnehin sehr niedrig. Die könnten ruhig 20% erhöhen und das würde keinen stören.

Die Argumente mit den Schülerjobs finde ich auch doof. Die sollten sich lieber in der Schule anstrengen, Hausaufgaben machen und studieren, damit sie später nicht arbeitslos werden.


klaus am 12. März 2006

Ich finde dieses Gewäsch von Leuten mit wie wenig Geld man doch auskommen könnte unerträglich. Hier geht es um eine Mindestentlohnung bei gleichzeitig immer stärker steigenden Lebenshaltungskosten. Wir sind doch keine Sklaven, auch wenn in der Europapolitik der neoliberalen Kräfte, dieser Zustand gerne so gesehen würde. Wer sind wir denn, uns hier alles aufdrücken zu lassen? Geldentwertung durch Teuro, Sozialabbau, Rentenklau und Abbau von Grundrechten und Privatsphäre. Müssen wir uns wirklich wieder auf das Mutterland der Demokratie verlassen und hoffen, das der französische Nachbar es richtet? Wir Deutschen haben leider nichts aus unserer Geschichte gelernt und sind immer noch manipulierbar durch Medien und die Lobbyisten dahinter. Wie blöd ist Deutschland, also Du und ich wirklich?


D. Vert am 12. März 2006

Jetzt mal ein konstruktiver Vorschlag für eine Mindestlohn-Regelung:

Bayern: 15 Euro
Baden: Würtenberg 14 Euro
Bremen: 7 Euro
Brandenburg: 5 Euro

Die anderen Bundesländer entsprechend ihres jeweiligen Wohlstands. In Brandenburg z.B. würden 8 Euro nicht funktionieren, weil es hier ohnehin schon zu viele Arbeitslose gibt. In Bayern ist fast Vollbeschäftigung, da wäre es nicht so schlimm.


anonym am 13. März 2006

In Brandenburg einen Mindestlohn von einem Drittel des Mindestlohns in Bayern anzusetzen, kann wohl kaum als konstruktiv bezeichnet werden.

Konstruktiv wäre vielleicht:
Bayern, Baden-Württemberg, Hessen: 6,25 Euro
Ostdeutschland: 4,75 Euro
Rest: 5,50 Euro

Zu klären wäre dann aber noch die Frage, welches Ortskriterium für die Zahlung relevant ist:
1. Der Ort der Betriebsstätte.
2. Der Ort des Unternehmenssitzes.
3. Der Wohnort des Mitarbeiters.

Besser wäre daher:
flächendeckend: 5,50 Euro


Peter W. am 13. März 2006

Ich bin auch für den Mindestlohn. EUR 5,50 sollte aber die flächendeckende Obergrenze sein, damit der negative Effekt auf die Arbeitslosigkeit nicht zu hoch wird.


klaus am 13. März 2006

Schreiben hier wirklich Arbeitnehmer?
5,50€ Bruttostundenlohn als flächendeckende Obergrenze? Als Mieter habe ich mit Mieterhöhung, Nachzahlung für Betriebskosten, Erhöhung der Energiekosten(Gas/Strom) und im nächsten Jahr mit der Erhöhung der Märchensteuer zu kämpfen. Wie soll das gehen? Selbst die geforderten 7,50€ sind zu gering. Es sei denn wir arbeiten alle im Wachschutz. Bei 50 und mehr Wochenstunden kann man ja auf eine Wohnung verzichten. Vieleicht kann man dann wie in Japan Schlafboxen anmieten, natürlich nur in den Zeiten, wo man diese benötigt. Armes Deutschland.


C. Benecke am 16. März 2006

Taxifahrer-Lohn

Es gibt keinen geregelten Tarif für Taxifahrer. Ständiges Entlohnungsdumping, führt zu immer geringeren Einkommen und Verarmung. Ein Fahrer hat bei ca. 200 Arbeitsstd. monatl. einen Stundenlohn von ca. 4.- Euro Brutto in Hamburg. Es gibt keine Grundlohnfestsetzung oder einen Mindestlohn der tariflich geregelt ist.


Wolfgang Trantow am 16. März 2006

Ich bin gegen den Mindestlohn, denn das heißt ja, es gibt unwürdige Arbeitsplätze. Mein Vorschlag ist Angleichung der Einkommen. Maßstab für ein menschenwürdiges Leben ist der Herr Ackermann bzw. unsere Politiker. Diese Leute haben den Mindeslohn, den jeder in Deutschland erhalten sollte.


R. Trott (UVB) am 19. März 2006

Zu Klaus: Du sprichst mir aus der "Seele"!
Zu D. Vert (wahrscheinlich aus Bayern):
Warum 5,- Euro Mindestlohn? Wer soll die BMW's denn kaufen, die Belegschaft etwa?
(Viele Grüße an die Belegschaft von BMW, der es hoffentlich noch gut geht!)
Mit einem Mindestlohn von 5,- Euro muß man ca. 91 Jahre und 6 Monate sparen, um sich einen kleinen BMW (neu) kaufen zu können!
(Oder stellen die da auch Gebrauchtwagen bis 4000 Euro her?)
Warum soll in Bremen der Mindestlohn 7,- Euro betragen? ....Weil die dort am Wasser wohnen und Fische fangen können? Arme Bremer!
Vorschlag zur Güte: Meine Arbeitsstunde ist eine Einheit wert, wie die eines Herrn Ackermann* zum Beispiel (*Herr Ackermann ist der Herr, der auf einer Gerichtsverhandlung die Finger seiner rechten Hand zum V gespreizt, zeigte. (Das V-Zeichen hat im deutschen Sprachraum die Bedeutung: Versager oder Verbrecher!)
Kleiner Tipp: Ein Arbeiter in der Schuhfabrikation auf den Philippinen bekommt im Monat 0,77 Euro die Stunde, wie währe es denn damit?
Der Lohn von 5,- Euro, also 9,78 DM/Stunde ist der Durchschnittslohn eines Arbeitnehmers in der BRD von 1973! 30 Jahre keine Lohnerhöhung? Auch für Sie Herr D. Vert?
Nach meinen Berechnungen (ich beschäftige mich etwas mit der Materie) müßte der Mindestlohn 8,67 Euro betragen! Rechnet man die Preissteigerungsraten ab 1974 zusammen, ohne die Beteiligung am Gewinn, der von ihnen erarbeiteten Leistungen dieser Jahre, so kommt man zu dieser Summe!
Man denke bitte an die Renten: Die, die jetzt erarbeitet werden müssen (für die wir Steuern zahlen (26 Mio. Steuerzahler von
82 Mio. Einwohnern in Deutschland!)) für die jetzigen Rentner, auch die, die ihre Rente garnicht erarbeitet haben und man denke an die eigene Rente, oder soll das die Sozialhilfe respekt. "Hartz IV" richten?
Ich bin gern zu weiteren Auskünften in Sachen Lohn bereit, auch wieviel bekommen die 1000 Reichsten in diesem Land, je Monat oder so etwas!
Ich melde mich hier bestimmt bald wieder!
R. Trott (UVB)


Angelika am 19. März 2006

Ich bin für einen existenzsichernden Mindestlohn, der auch im Rentenalter, bei Arbeitslosigkeit, im Krankheitsfall, bei Invalidität vor Armut schützt. Das kann ein Mindestlohn von 7,50 Euro nicht leisten. Deshalb gibt es in England viele Arme (Rentner und Arbeitslose bzw. die aufgrund von Krankheit nicht arbeiten können). Die Sozialabgaben sind z.B. im hochgelobten England geschrumpft. Der Kompromiß zwischen Arbeitgeberverbänden und Politik war ja die Kürzung der Sozialabgaben und die Einführung privatisierter Leistungen. Die gesetzlichen Sozialabgaben sind gering und entsprechend auch die Leistung. Davon provitieren insbesondere die Arbeitgeber. Deshalb hielt sich der Aufschrei der Arbeitgeber in Grenzen und verstummte gänzlich (in England). Bessere Sozilaleistungen sind Verhandlungssache des Arbeitnehmers mit dem Arbeitgeber. Oder man verdient genug, um sich privat versichern zu können (zusätzlich). Wer das sich eine private Absicherung nicht leisten kann hat das Nachsehen und stirbt in Armut früher. Ich frage mich, wie können wir, die Gewerkschaften das in Deutschland verhindern? Ein existenzsichernder Mindestlohn darf auch nicht pauschal sein. Er muss gestaffelt werden. Denn er ist nicht familienfreundlich. Ein alleinerziehender Vater und eine alleinerziehende Mutter, die noch Kinder zu versorgen haben nagen bei einem Stundenlohn von 7,50 Euro am Hungertuch. Und Zwang zur Arbeit für den Partner (meist der Mutter) ist auch nicht das gelbe vom Ei. Letztendlich wären beide Elternteile gezwungen zu arbeiten, damit ein Auskommen möglich ist. Das hieße, Frauen müßten arbeiten, eine Art Zwang, sie könnten sich nicht mehr für eine Ganztagsstelle als Mutter im eigenen Hause oder für eine Erwerbstätigkeit frei entscheiden. Emanzipativ nenn ich das nicht. Und nicht jeder Partner ist arbeitsfähig. Der versorgende verdient mit 7,50 Euro zu wenig. Ein weiterer Punkt: Wie verhindern wir die zunehmende Dequalifizierung, die z.B. in England stattgefunden hat und zu einer erheblichen Verringerung des Durchschnittseinkommen führte? Die Debatte um einen existenzsichernden gesetzlichen Mindestlohn hat erst begonnen und muss im jeden Fall vertieft und differenziert diskutiert werden, damit man nicht im circulu vitiosus (Art Irrkreis) das passiert, was man eigentlich verhindern wollte. Und dazu gehört mit Sicherheit, Arbeitgeber mit unsozialen Einstellungskriterien und egozentrischem eigennützigem Wirtschaftsdenken in die Pflicht zu nehmen, konkret und konsequent antisoziales Verhalten zu sanktionieren. Auch dazu gäbe es gute Vorschläge.
Angelika


Angelika am 19. März 2006

Es sagte:
Roland Swoboda • Sonntag 12. März 2006 • 14:20

„Die kleinen und mittleren Unternehmmen sind durch diese Politik genauso negativ betroffen und sitzen im gleichen Boot wie die Arbeiter.“

Sicher: Finanzschwache kleine und mittlere Unternehmen brauchen Unterstützung. (finanzielle und ideele.) Die anderen, die egoistisch ausbeuten, rausschmeißen bzw. ausgrenzende Einstellungskriterien im Kopfe haben und diese praktisch umsetzen sind, so nenne ich sie, „Fußtrittkapitalisten“. Und ihr antisoziales geldgieriges Verhalten muss sanktioniert werden.

Angelika


anonym am 19. März 2006

"Vorschlag zur Güte: Meine Arbeitsstunde ist eine Einheit wert, wie die eines Herrn Ackermann zum Beispiel."

Auf ethischer Ebene ist jeder Mensch gleich viel Wert. Das ist unbestritten! Ich denke jedoch nicht,dass Sie im ökonomischen Bereich so viel Wert sind wie ein Herr Ackermann.

Es ist natürlich sehr schön plakativ einzelne Fälle aus dem Wirtschaftsleben herauszugreifen, um Stimmung zu machen. Aber wozu soll das gut sein? Auf der einen Seite gibt es ganz ganz wenige Großverdiener und auf der anderen ein Millionenheer von Kleinverdienern. Wenn wir z. B. die Millionenabfindung von Herrn Esser bei Mannesmann auf jeden Deutschen aufteilen würden, dann bekäme jeder ein Jahr lang jeden Monat 6 Cent! Aufgrund der Seltenheit dieser spektakulären Sonderzahlungen, kämen sie im Durchschnitt der Jahre auf noch viel weniger Geld ...

"Mit einem Mindestlohn von 5,- Euro muß man ca. 91 Jahre und 6 Monate sparen, um sich einen kleinen BMW (neu) kaufen zu können!"

Wieso sollte sich ein Arbeiter mit Mindestlohn einen kleinen BWM leisten können? Warum legen Sie dem Preisvergleich nicht gleich eine S-Klasse Limousine oder einen Ferrari zugrunde? Ein Mindestlohn in der genannten Höhe soll lediglich die reine Existenz des Menschen - ohne jeglichen Luxus - sichern. Nicht mehr und nicht weniger!

"Der Lohn von 5,- Euro, also 9,78 DM/Stunde ist der Durchschnittslohn eines Arbeitnehmers in der BRD von 1973! 30 Jahre keine Lohnerhöhung? ... Nach meinen Berechnungen (ich beschäftige mich etwas mit der Materie) müßte der Mindestlohn 8,67 Euro betragen!"

Hier geht es jedoch um den Mindestlohn und nicht um den Durchschnittslohn eines Arbeitnehmers. Wenn wir als Mindestlohn 50% eines Durchschnittsverdieners annehmen, dann ergäbe dies für 1973 4,89 DM. Nach dem Verbraucherpreisindex des Statistischen Bundesamtes kann man diesen Wert nun mit ca. 2,4 multiplizieren und erhält dann der Wert in heutigen (2005er) Preisen: 11,74 DM bzw. 6 Euro. Wenn man berücksichtigt, dass ein Großteil der Preissteigerungen lohngetrieben waren und der hohe Lohn dafür gesorgt hat, dass wir heute an Heer an Arbeitslosen haben, so sollte der Mindestlohn schon etwas unter diesen 6 Euro/Stunde liegen. Im Ergebnis kommt man so auf 5 - 5,50 Euro Mindestlohn.

Sollte es zu einer Gesetzgebungsinitiative auf Bundesebene kommen, so wird von der Bundesregierung sicherlich ein Einstieg im Bereich von 5,50 Euro angestrebt werden, um die Effekte auf die deutsche Wirtschaft beobachten zu können (Strategie der kleinen Schritte).

Alles andere ist reines Wunschdenken!


Angelika am 19. März 2006

An Anonym

Wieso wollen Sie den "ökonomischen Bereich" vom sozialen bzw. ethischen Bereich abtrennen? Beide Bereiche sind letztendlich von einander abhängig. Eine Spaltung ist fatal, hinterlässt zunehmend eine kältere Atmosphäre inclusive eines sozialdarwinistischen Denkens. Außerdem ruiniert sich die Wirtschaft mit einem Spaltungsdenken letztendlich selbst ohne es zu bemerken. Das ein Herr Ackermann "ökonomisch" mehr wert sein soll als ein normaler Arbeitnehmer, eine derartige Ansicht kann man nur mit einer ungesunden narzißtischen Logik vertreten.
Angelika


Thomas Helmbrecht VA am 19. März 2006

Auch an anonym,
wie kommen sie darauf, dass Preissteiegerungen lohngebunden waren, m.E. waren diese giergebunden, da die Unternehmer nicht bereit waren ihre Preise den Lohnerhöhungen adäquat anzupassen, sondern immer darüberhinaus. Dies sichert ihnen immer einen Einnahmevorsprung bis zur nächsten Tarifverhandlung. Genausowenig geben die Großunternehmen steuerliche und politische Zugeständnisse der Staatsseite an ihre Belegschaften weiter, im Gegenteil es wird bei schwarzen Zahlen weiter ausgestellt oder sogar wie bei Siemens und AEG ins Ausland ausgelagert. M.E. sollten solche Unternehmen auf unserem Binnenmarkt wieder Zölle zahlen. Als Markt sind wir für sie attraktiv, als Arbeitsmarkt völlig uniteressant. Sollen doch die Polen, Tschechen etc. deren Produkte auch kaufen. Das wäre die Mentalität der Arbeitnehmerschaft, die einer solch ökonomistischen Einstellung gegenüberzustellen wäre.


anonym am 19. März 2006

@Angelika
"Wieso wollen Sie den "ökonomischen Bereich" vom sozialen bzw. ethischen Bereich abtrennen? ... Das ein Herr Ackermann "ökonomisch" mehr wert sein soll als ein normaler Arbeitnehmer, eine derartige Ansicht kann man nur mit einer ungesunden narzißtischen Logik vertreten."

Jedes Leben stellt einen Wert an sich dar (Ethik). Jeder Mensch ist aber verschieden und besitzt in unterschiedlich starker Ausprägungen verschiedene Eigenschaften, wie zum Beispiel Geselligkeit, Nächstenliebe, etc. (Sozial).
Nur ein Teil der verschiedenartigen Ausprägungen eines Menschen sind aber für die Wirtschaft interessant, z. B. Ideenreichtum, Durchsetzungsvermögen, Arbeitskraft. Und nur der Teil ist es auch, den die Wirtschaft bereit ist zu entlohnen.

Ein promovierter, forschender Wissenschaftler in einem Chemieunternehmen, der keine Ideen für neue Produkte mehr hat, ist für dieses letztendlich wertlos und wird entlassen. Auch wenn der Mensch, der dahinter steht, wertvoll ist, so ist er für die partielle, wirtschaftliche Sicht in der ausgeschriebenen Position nicht zu gebrauchen.

Die Trennung ist daher rein logisch begründbar, auch wenn sie letztlich nicht für jeden wünschenswert erscheint.

"Eine Spaltung ist fatal, hinterlässt zunehmend eine kältere Atmosphäre inclusive eines sozialdarwinistischen Denkens."

Das die Atmosphäre in den letzten 20 Jahren immer kälter geworden ist, ist schon zu spüren. Das liegt aber vorallem in einem auseinanderdriften der Gesellschaft. Früher hat ein Vorstandsvorsitzender auch manchmal noch in der normalen Mitarbeiterkantine gegessen und so seine Zugehörigkeit gezeigt. Heute haben leitende Angestellte manchmal sogar eine eigene Kantine mit eigenem Speiseplan und müssen das normale Kantinenessen gar nicht zu sich nehmen.

Letztlich sind das die geistigen Überbleibsel einer durch die 68er eingeleiteten Individualisierung. Ein Mindestlohn wird daran gar nichts ändern, sondern fördert nur eine sinnlose Neiddebatte zwischen oben und unten.


Jens am 19. März 2006

@ anonym

"Letztlich sind das die geistigen Überbleibsel einer durch die 68er eingeleiteten Individualisierung. Ein Mindestlohn wird daran gar nichts ändern, sondern fördert nur eine sinnlose Neiddebatte zwischen oben und unten."

Dann sollen also Deiner Meinung nach alle AN im Niedriglohnsektor weiter für € 3,-bis 6,- arbeiten ohne Chance auf eine private Altersvorsorge, wie vom Staat gewünscht und angeboten (Riesterrente),weil das Arbeitsentgelt sowieso vorn und hinten nicht reicht. Damit liegen sie doch dann im Rentenalter, wenn sie es überhaupt erreichen, wieder auf des Staates Tasche. Ist das erstrebenswert? Vielleicht ist das ja auch das Ziel, daß soviele wie möglich kurz vor Renteneintrittsalter ins Gras beissen, da reicht's wenigstens für die anderen.

Sicher gibt es Neiddebatten, aber werden die z.ZT. nicht viel stärker geführt als wenn sich die soziale Kluft wieder verringert, z.B. durch Einführung eines ges. ML und/oder Ausweitung des Solidarprinzipes in der Sozialversicherung auf alle Bevölkerungsschichten? Die vollbeschäftigten AN im Niedriglohnsektor wollen doch nichts anderes, als eine Entlohnung ihrer Tätigkeit, die ihnen ein "normales" Leben ermöglicht. Sicher gibt es welche die neidvoll auf die Vorstands- oder Managergehälter blicken, das liegt nun mal im Wesen des Menschen, aber mit welchem Recht sacken die, die eine gute Ausbildung ermöglicht bekommen, sei es wegen ihrer sozialen Herkunft oder weil es helle Köpfchen sind, die dicke Kohle ein, während MENSCHEN, die solche Voraussetzungen nicht haben, unterhalb des Existenzminimums dahinvegetieren. Von den jährlichen Steigerungen der Managergehälter kann doch ein "normaler" AN seit langem nur noch träumen.


Angelika am 19. März 2006

Anonym

Klar sind die Menschen verschieden. Jeder Mensch hat Stärken und Schwächen. Schlimm wäre es, wenn das nicht so wäre und wir einheitlich gleich wären. Würde die Entwicklung hemmen und wäre lebensfern.

Aber warum muss z.B. eine Arbeit mit Händen niedriger bewertet werden als eine, die mehr Kopfarbeit erfordert?

Die Debatte um Niedrigqualifizierte finde ich problematisch. Egal welche Arbeit, hauptsache sie wird gut getan. Ich bringe immer wieder gern auch das Beispiel Putzfrau und Ooerateur in der Klinik. Welche Erfolge hätte der Operateur, wenn er die Putzfrau nicht hätte? Sicherlich wird die Putzfrau nicht Medizinerin werden, werden wollen, das Zeug dazu haben, aber dafür kann sie eben gut putzen. Ihre Arbeit hat für mich keinen geringeren Wert.

Ich habe studiert. Ich habe auch geputzt, Fabrikarbeit getan usw.. Sicherlich, auf Dauer hätte ich z.B. nicht in der Fabrik arbeiten können. Monotone Arbeit macht mich müde und eher depressiv. Nur weil das so ist schätze ich eine monotone Arbeit nicht niedriger ein. Ich möchte sicher entsprechend meiner Fähigkeiten und Qualifizierung berufl. eingesetzt werden.

Angelika


Bernd Steinmann am 19. März 2006

Mit Angelikas Kommentar endet an dieser Stelle der Kommentarstrang.