ALG-II und Teilzeitarbeit
Kürzungen für ALG-II-Empfänger mit Teilzeitjobs geplant – titelt das „Handelsblatt“. Dass viele Politiker noch in die falsche Richtung denken und statt einen Mindestlohn zu schaffen lieber den Empfängern von ALG-II die ohnehin spärlichen Leistungen kürzen wollen, ist nichts Neues.
Doch wenn das „Handelsblatt“ sich auf die Seite von ALG-II-Empfängern schlägt, hat mich die Vergangenheit gelehrt, sollte man genauer hinsehen. Denn das „Handelsbatt“ hat den Kreis der ALG-II-Empfänger auch schon mal als „Arbeitsscheue“ bezeichnet und sich anschließend für den Gebrauch dieses von den Nazis geschaffenen Begriffs mit „Redaktions-Stress“ zu entschuldigen versucht.
Und richtig: Bei Lektüre des gesamten Artikels stellt sich heraus, dass es nicht etwa um eine „Kürzung des ALG-II“ geht, wie die Überschrift vermuten lässt, sondern um eine Einschränkung der Zuverdiensmöglichkeiten durch Teilzeitjobs bei gleichzeitigem ALG-II-Bezug.
Also jetzt mal unter uns: Sie beschaffen sich ein Büchlein zum Thema „400-Euro-Jobs“ und auf der Titelseite lesen Sie:
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400-Euro-Jobs
Maximaler Profit mit Mini-Jobs
Autorin: Irmelind R. Koch - ISBN: 3-8029-3339-7
Kennen Sie jemanden, der als Arbeitnehmer je einen Profit erzielt hätte? Eben. Viele Teilzeit-Arbeitsverhältnisse sind heute nur noch als „Mini-Jobs“ verfügbar, weil der Arbeitgeber auf diese Art seine Sozialversicherungsbeiträge vermindern kann.
Dem widerspricht auch der Verfasser beim „Handelsblatt“ nicht, wenn es in dem Artikel heißt:
Im aktuellen Spiegel hatte Müntefering erklärt, im vergangenen Jahr sei die Zuverdienstgrenze noch großzügig ausgeweitet worden. „Nun müssen wir überprüfen, ob wir eventuell nicht über das Ziel hinausgeschossen sind“, sagte der SPD-Politiker. Mittlerweile gebe es rund eine Million Empfänger von Arbeitslosengeld II, die vollzeit oder teilzeit beschäftigt seien. Damit sei eine Form von Kombilohn aus staatlicher Unterstützung und Arbeitseinkommen entstanden, die so nicht geplant gewesen sei. „Deshalb werden wir - wenn wir über den Niedriglohnsektor reden - prüfen, ob man da was verändern muss.“
Nur auf die Idee, dass die „Mini-Jobs“ eine der Hauptursachen für die Entstehung des Niedriglohnsektors mit Hungerlöhnen sind, kommt das „Handelsblatt“ nicht. Auch das „Handelsblatt“ muss für seine Zielgruppe im Unternehmer-Lager schreiben. Aber lassen wir das.
Stattdessen bedanke ich mich beim Blog „Armut und Arbeitslosigkeit in Deutschland“, wo ich auf den betreffenden Handesblatt-Artikel aufmerksam wurde.







