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Mittwoch 30. August 2006

ALG-II und Teilzeitarbeit

Kürzungen für ALG-II-Empfänger mit Teilzeitjobs geplant – titelt das „Handelsblatt“. Dass viele Politiker noch in die falsche Richtung denken und statt einen Mindestlohn zu schaffen lieber den Empfängern von ALG-II die ohnehin spärlichen Leistungen kürzen wollen, ist nichts Neues.

Doch wenn das „Handelsblatt“ sich auf die Seite von ALG-II-Empfängern schlägt, hat mich die Vergangenheit gelehrt, sollte man genauer hinsehen. Denn das „Handelsbatt“ hat den Kreis der ALG-II-Empfänger auch schon mal als „Arbeitsscheue“ bezeichnet und sich anschließend für den Gebrauch dieses von den Nazis geschaffenen Begriffs mit „Redaktions-Stress“ zu entschuldigen versucht.

Und richtig: Bei Lektüre des gesamten Artikels stellt sich heraus, dass es nicht etwa um eine „Kürzung des ALG-II“ geht, wie die Überschrift vermuten lässt, sondern um eine Einschränkung der Zuverdiensmöglichkeiten durch Teilzeitjobs bei gleichzeitigem ALG-II-Bezug.

Also jetzt mal unter uns: Sie beschaffen sich ein Büchlein zum Thema „400-Euro-Jobs“ und auf der Titelseite lesen Sie:

    400-Euro-Jobs
    Maximaler Profit mit Mini-Jobs

    Autorin: Irmelind R. Koch - ISBN: 3-8029-3339-7

Kennen Sie jemanden, der als Arbeitnehmer je einen Profit erzielt hätte? Eben. Viele Teilzeit-Arbeitsverhältnisse sind heute nur noch als „Mini-Jobs“ verfügbar, weil der Arbeitgeber auf diese Art seine Sozialversicherungsbeiträge vermindern kann.

Dem widerspricht auch der Verfasser beim „Handelsblatt“ nicht, wenn es in dem Artikel heißt:

Im aktuellen Spiegel hatte Müntefering erklärt, im vergangenen Jahr sei die Zuverdienstgrenze noch großzügig ausgeweitet worden. „Nun müssen wir überprüfen, ob wir eventuell nicht über das Ziel hinausgeschossen sind“, sagte der SPD-Politiker. Mittlerweile gebe es rund eine Million Empfänger von Arbeitslosengeld II, die vollzeit oder teilzeit beschäftigt seien. Damit sei eine Form von Kombilohn aus staatlicher Unterstützung und Arbeitseinkommen entstanden, die so nicht geplant gewesen sei. „Deshalb werden wir - wenn wir über den Niedriglohnsektor reden - prüfen, ob man da was verändern muss.“

Nur auf die Idee, dass die „Mini-Jobs“ eine der Hauptursachen für die Entstehung des Niedriglohnsektors mit Hungerlöhnen sind, kommt das „Handelsblatt“ nicht. Auch das „Handelsblatt“ muss für seine Zielgruppe im Unternehmer-Lager schreiben. Aber lassen wir das.
Stattdessen bedanke ich mich beim Blog „Armut und Arbeitslosigkeit in Deutschland“, wo ich auf den betreffenden Handesblatt-Artikel aufmerksam wurde.

 

 

Kommentare

 
walter hempe · Mittwoch 30. August 2006 · 20:02
da sollen den unternehmern die niedriglöhner durch aushungern derselben entzogen werden.

soll herr müntefering mal bei der richtigen zielgruppe "fordern"

grüsse
 
Andreas Skowronek · Donnerstag 31. August 2006 · 08:05
Sehr schön formuliert: "bei der richtigen Zielgruppe" fordern. Wenn Sie, wovon ich ausgehe, damit die Besteuerung von Unternehmen und Vermögenden meine, stimme ich Ihnen uneingeschränkt zu.

Aber machen wir uns nichts vor: Die schmelzende Steuerbelastung für Unternehmen (Steueroptimierung kommt vornehmlich "den Großen" zugute) ist das Eine.
Das Andere ist die Subventionierung von Personalkosten, etwa über ALG-II in Kombination mit einem Mini-Job.
Der Begriff "Kombination" steht nicht zufällig hier geschrieben – wie diese Homepage es beweist.

Und zur Erinnerung: Es ist ja nicht so, als ob ALG-II-Empfänger die Einkünfte aus dem Mini-Job ohne Abstriche beim ALG-II erhielten.

Deshalb noch mal die Frage: Wer holt den Profit aus den Mini-Jobs?
 
Ingo · Mittwoch 13. September 2006 · 11:56
Ganz klar das die Niedrigverdiener also der Mensch dem Kapitalisten den weg ebenen.

Menschen dieses Landes ...DEMONSTRIERT MAL WIEDER FÜR EINE GUTE SACHE !!!!
 
Frida · Dienstag 27. März 2007 · 12:09
Frida
Beschlossen wurde das Lebenstandardniveau auf die 60er Jahre zurückzuführen.Dies wird gerade durch viele kleine Schritte seitens der Politik umgesetzt.Sei es durch geringere Löhne,dadurch auch geringerer Wohlstand.Hinführung in eine Medikamentenversorgung Grundsicherung, indem man gewisse Medikamente als Spezialität einstuft die nicht bezahlt wird.Einführung englischer Verhältnisse im Gesundheitswesen scheibchenweise seit über 20 Jahren.Bettenabbau in Krankenhäusern war der Anfang.Die Liste ist lang.Wer schon älter ist hat das Alles erlebt, die Jüngeren werden in dieser Form groß und kennen dann nichts Anderes und Besseres mehr.Würden die Menschen 120 Jahre alt, dann gäbe es mehr Infos und mit Sicherheit andere Wahlergeb nisse.Ich dachte,nach der Befreiung Deutschlands,im Jahre 1989 von den Kriegssiegern könnten wir unser Land selbst in unserem Sinne voranbringen. Nichts dergleichen ist geschehen.Es geht ständig bergab,die Wirtschaft hat das Land voll im Griff,die Regierung ist gehalten die Vorgaben der Wirtschaft zu befolgen, da ständig am Rande der Erpressung.Sobald die erste Firma in ausländischen Aktionärshänden liegt ist das Moment des Druckes gegeben.Wenn ihr nicht tut was wir möchten dann entlassen wir eben mal 20000 Telecombeamte.Und stellen dafür arbeitslose ein über Arbeitsservicefirmen für 7,50€ die Stunde, so ist es ja erst kürzlich geschehen.Über Mindestlöhne zu streiten lohnt nicht, solange man nicht das Übel an der Wurzel beseitigt.Das ist typisch,es werden die Symptome bekämpft nicht die Ursachen.Ein Jammer.Ein einst blühendes Land geht vor die Hunde.
 

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Kommentare
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