Aktive haben am 1. April in Berlin auf Straßen, Plätzen und in der S-Bahn für den gesetzlichen Mindestlohn geworben. Samstag morgen: Geschäftiges Treiben im Haus des ver.di-Bundesvorstandes. Aktive besprühen weiße Monteursanzüge mit der Aufschrift „Arm trotz Arbeit. Kein Lohn unter 7,50 Euro die Stunde.“ Andere basteln an sogenannten Sandwiches. Gegen 11:00 Uhr macht sich die Handy-Karawane auf zum Ostbahnhof. Schon auf dem Weg dahin werden SpaziergängerInnen angesprochen, kleine Kärtchen mit dem SMS-Nummer 72626 überreicht und um Unterstützung für den gesetzlichen Mindestlohn geworben. Im Ostbahn bekommen zwei Sicherheitsleute auch gleich das Kärtchen. „Also, verteilen dürft ihr hier nichts“, sagt der eine. „Nee, nee, wir sind auf dem Weg zur S-Bahn.“ Na, dann ist ja alles gut.“ Weiter geht es ducrh die Vorhalle. Ein Aktiver biegt direkt in einen Friseurladen ab. Überreicht ein Kärtchen und informiert über die Aktion. Gleich danach spricht er eine Gruppe junger Frauen an. Mißtrauisch schauen sie auf das Kärtchen. Dann stellt sich heraus, die Frauen kommen aus England. Gekonnt werden sie in ihrer Muttersprache informiert. „Was, das habt ihr nicht“, wird erstaunt zurückgefragt.
Die Sandwich-TrägerInnen werden von anderen Aktiven umschwärmt. Nur wenige Passanten lehnen das kleine Kärtchen ab. Einige fragen nach. Zwei junge Punkerinnen wollen vor dem Kaufhof am Ostbahnhof drücken auf die aufgemalten Tasten der Plakate. Ein Sicherheitsmann kommt aus dem Kufhof und bittet freundlich darum, das Betriebsgelände zu verlassen. Gut, gehen wir drei Schritte zurück.
Dann gehts mit der S-Bahn zum Alexanderplatz. In der S-Bahn werden fleißig Karten mit der Unterstützer-SMS-Nummer verteilt. Einge junge Frau holt sofort ihr Handy raus und tippt los. Prima. Die Reaktion: Sympathische Aktion, richtig, gut, weitermachen.
In der S-Bahn sagt ein Passant, dass er gerade unterwegs sei zum Brandenburger Tor. Dort würden PraktikatInnen auf ihre Situation aufmerksam machen. Die Aktion würde gleichzeitig in Paris, Brüssel, Wien, Lille, Toulouse und Dresden stattfinden. Die Demonstranten würden weiße Masken aufsetzen, die den Status von Praktikanten symbolisieren: Sie seien „die Mitarbeiter, die keinen Namen, kein Gesicht haben und ständig wechseln“, heißt es in dem Protestaufruf http://www.dgb-jugend.de. Ab dem 1. April gibt es auf der gemeinsamen europäischen Internetseite http://www.generation-p.org eine Petition an das EU-Parlament geben, die online unterzeichnet werden kann.
Da müssen wir auch hin, das ist für die Mindestlohn-Aktiviten klar. Also los zum Brandenburger Tor. Dort ist schon viel los. Und die Mindestlohn-Handy-Karawane erregt sofort Aufmerksamkeit. Die Kameras der anwesenden TV-Teams richten sich auch auf weißen Männer und Frauen, die für den gesetzlichen Mindestlohn werben.
Prima. Ingrid Sehrbrock, Miglied im geschäftsführenden DGB-Bundesvorstand, findet die Aktion sympathisch.
Wir geben mehrere Interviews. Auch dem französischen Fernsehen. Tolle Fragen stellt der Mann. Da können die deutschen öffentlich-rechtlichen Sender noch was lernen. So richtig vertreten waren sie nicht. Und wir waren wohl im Dienstplan nicht aufgeführt. Na gut, werden wir sie mal besuchen kommen. Oder, ja, oder haben die Probleme mit dem Praktikantentum? Wir verteilen unsere Kärtchen. Dann sind die Taschen leer. Es geht zurück zum ver.di-Haus an der Schillingsbrücke. Dort hat ein Aktivist mttlerweile das Unterstützungskärtchen an allen Bürotüren angebracht. „Des woar ne moards Arbeit“, sagt er stolz.
Ja, aber eine, die sich lohnt. Aktiv werden für den gesetzlichen Mindestlohn. Jetzt, heute und morgen. Es lohnt sich.











