Zurück nach Hamburg. Wir stehen mit unserem Ausstellungscontainer mitten in einer Polizeiwagenburg. Die Polizeitrupps kommen aus Hamburg, aus Meck-Pom, aus Schleswig-Holstein und von der Bundespolizei. Nach und nach legen die Kolleginnen und Kollegen ihre Schutzkleidung an. So verwandeln sich schlanke Körper in muskelbepackte Ungetüme. Immer wieder rücken kleine Trupps ab Richtung Unterführung. Dort haben sich rund 1000 Gegendemonstranten versammelt. Der Parkplatz hinter dem Bahnhof, dort wollten wir gerne unsere Ausstellung aufstellen, ist voller Polizeiautos. Mitten drin ein Häuflein von 50 bis 80 NDPlern.
Welche Höhe soll ein gesetzlicher Mindestlohn in Deutschland haben?
Ergebnis ansehenBeschützt und umringt
Zurück am Stand. Wilko hat alles aufgebaut. Dann kommen zwei grüne Busse. Sie spucken grüne Frauen und Männer aus. Ordnungshüterinnen, sie sollen die Nazi-Demo und die Gegendemo voreinander schützen. Polizeikantinen-Wagen sind auch schon da. Es kommen immer mehr Polizeiautos. Wir sind umringt. Gut behütet. Nachteil: Wenig Publikumsverkehr. Dafür schauen die Polizisten vorbei. Na prima.
Auf dem Parteitag fordert Michael Sommer, DGB-Vorsitzender, einen gesetzlichen Mindestlohn von 7,50 Euro die Stunde. Der Parteitag wird später einen solchen Beschluss fassen. Und auch der Mindestlohn in der Postbranche ist immer wieder Thema in den reden. Dirk Marx, Gesamtbetriebsratsvorsitzender der Post AG, sagt, er sei mit dem Gesagten zum Mindestlohn sehr zufrieden. Zufrieden sah Florian Gerster, Chef der Anti-Postarbeitgeber, nicht aus, als er an unseren MindestlohnPuppen vorbei huschte. Er wollte keine Informationsmaterial haben.
Da ist ein Gewusel
Um die 7 000 Menschen sollen am Parteitag teilnehmen. Was machen die denn alles? Hinter uns stehen Leute von der Soko Lohndumping. Sie werben für den Mindestlohn in der Briefbranche. Dann sind da noch die Leute von DeineBahn, sie verteilen Fahrpläne gegen die Bahnprivatisierung. Und die Grünen sind da. Ein munteres Völkchen hat sich vor dem Kongresseingang versammelt.
Lutz Tillack von der NGG begrüßt per Megaphon die Teilnehmer des SPD-Parteitages. Er wünscht gute Beratungen und hat auch immer einen guten Spruch zum Mindestlohn parat. Leute, die erkennt, werden offiziell begrüßt. Da müssen sie stehen bleiben, Händeschütteln und ihr Verbundenheit mit ver.di und NGG betonen. Dann kommt Frank Bsirske um die Ecke gebogen. Er freut sich. Wir machen ja auch was her. Jörg-Dieter holt Kaffee. Kaffeepause. Jetzt kommen nur vereinzelt Leute. Der Parteitag hat begonnen. Absprache mit der Polizei. In 15 Minuten rücken wir ab. Markus besorgt der Tour-Crew Tageskarten. Dafür müssen sie alle antanzen. Geht aber nicht. Die Ausstellung muss beaufsichtigt werden. Also, Personalausweise einsammeln, anstellen, warten und dann rein in den Parteitag. Da ist ein Gewusel drin.
Schlangenlaufen
Der Tag beginnt mit einem Mißverständnis. Ich will gegen 7.30 Uhr am Dammtor sein. In der Zeit kommen auch die anderen Aktive sowie die Leute von DeineBahn. Wir müssen dann kurz vor sieben los. Die Crew hat verstanden: Abfahrt 7.30 Uhr. Wir sind spät dran. Marcel fährt dann noch ein paar Schleifen. Dann sind wir da. Der Truck steht schon. Jörg-Dieter ist schon schwer zugange. Es sind doch eine Reihe Aktive vom DGB, von der NGG und ver.di gekommen. Schön. Polizei ist auch da. Der Generator läuft und der Absperrgittermann stellt seine Gitter auf.
Kurze Besprechung mit der Polizei. Sagen sie uns bitte Bescheid, wenn sei los laufen wollen. Ok. In zehn Minuten geht es los. Heute sind drei Crew-Mitglieder in den Puppen. Sie sind heiß wie junge Rennpferde. Hey, wo wollen die hin, fragt der Polizist. Die gehen nur vor bis zur Straße. Ok. Lutz Tillack von der NGG hat das Megaphon geschultert. Jetzt geht es los. Eigentlich wollen wir durch die kleine Unterführung. Die Polizei führt uns aber links am Bahnhof vorbei. Vorbei am Kriegerdenkmal führ der Weg zum CCH. Unterwegs werden schon fleißig Flyer verteilt. Da kommt der Bild-Redakteur Rolf Kleine. Unser Wachmann geht auf ihn zu und informiert über die Lage der Männer und Frauen im Bewachungsgewerbe. Kleine hört zu und nimmt unser Infomaterial. Dann stehen wir vor dem Hotel. Schubweise kommen die Teilnehmerinnen des Parteitages. Puppen und Aktive verteilen und sprechen mit den Leuten. Wolfgang Rose von ver.di meint, wir sollten uns weiter Richtung Messeeingang bewegen. Die Polizei knurrt ein wenig. Dann verschieben wir uns Richtung Eingang. Da machen wir eine menschliche Mindestlohnmauer auf.
Die Reaktionen sind zu 80 Prozent positiv. Wir sind ja auch dafür. Richtig, dass ihr hier steht. Ich unterstütze das.
Lustig ist es, wenn Jemand nun auf keinen Fall ein Infoblatt nehmen will. Da ist dann richtiges Schlangenlaufen angesagt.
Hamburg, SPD-Bundesparteitag
Donnerstag nachmittag. Ich will abends zum SPD-Pressempfang. Wir fahren also früher. Alex hat Einen Transporter angekündigt. Nachdem halte ich Ausschau. Er kommt nicht. Zurück zum Haus. Simon steht verzweifelt vor der Tür, drückt auf den Klingelknopf. Aber ich stehe längst auf der Straße. Statt Transporter ein PKW.
Einpacken und dann auf die Autobahn. Später wird der SPD-Parteitag ein Tempolimit 130 Km/h beschließen. So werden sie bei Marcel keine Freundschaft wecken. In Hamburg fahren wir am CCH und am Bahnhof Dammtor vorbei. Schauen uns die Örtlichkeiten an. Na ja, ein guter Stellplatz ist das ja nicht, den uns die Polizei zugewiesen hat. Da müssen wir jetzt durch. Ab zum Hotel. Es liegt schon ein Stückchen auswärts. Und der Stellplatz für den Truck ist auf der anderen Stadtseite. Wilko muss also quer durch die Stadt. Das sind morgens und abends jeweils ne Stunde mehr, wird er mit vorwurfsvollem Gesicht sagen.
Dann mit dem Bus zum Rathaus. Auf dem Presseempfang ist Geschiebe angesagt. Promis sind da, wo das grelle Scheinwerferlicht aufblitzt. Nach einer Stunde habe ich genug. Zurück zum Hotel. Morgen wir es anstrengend.
War schon ein Schreck
Nach der Rückkehr aus Neubrandenburg noch mal ins Büro gefahren, E-Mail abholen. Es war schon dunkel. Habe mir extra eine Rückleuchte mit Batterie für das Fahrrad gekauft und angebracht. An der letzten Kreuzung stelle ich mich so, dass die Linksabbieger mich sehen müssen. Dachte ich. Es wird Grün. Ich fahre los. Neben mir dreht ein Motor auf. Aus den Augenwinkeln sehe ich, wie ein weißer Bulli auf mich zu kommt. Ich bremse. Der Bulli-Fahrer auch. Handy am Ohr chauffierte er mit einer Hand um die Ecke. Fast hätte er mich dabei erwischt. Puh. War schon ein Schreck.
In Neubrandenburg unterwegs
Heute in Neubrandenburg gewesen. Dort machte der DGB mit dem Sozialen Netzwerk den Tag der Erwerbslosen. Die Tour-Crew fuhr schon gestern mit dem Ausstellungscontainer nach Neubrandenburg. So konnte er bei der Pressekonferenz und anschließend noch vor dem Rathaus gezeigt werden.
Heute war die Veranstaltung übersichtlich. Im Modellpark, dort sind alte Bauwerke aus Mecklenburg-Vorpommern maßstabsgerecht nachgebaut worden, findet der Tag der Erwerbslosen schon seit Jahren statt.
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