Freitag 4. April 2008
dpa meldet:
„Brüssel (dpa) - Die Sozialdemokraten im Europa-Parlament haben eine Verbesserung des europäischen Arbeitsrechts gefordert. Sie reagierten damit auf ein Urteil des Europäischen Gerichtshofs (EuGH) vom 3. April 2008, das eine Kopplung öffentlicher Bauaufträge an speziell festgelegte Mindestlöhne verbietet. Das Urteil zeige, ‚dass wir dringend eine Verbesserung der europäischen Gesetze zum Sozialen Europa brauchen‘, sagte Fraktionschef Martin Schulz (SPD) in Brüssel.
Die Grünen-Abgeordnete Elisabeth Schroedter zeigte sich enttäuscht darüber, dass der EuGH in seinem Urteil über das niedersächsische Vergabegesetz nicht der Empfehlung von Generalanwalt Yves Bot gefolgt sei. Bot habe keinen Widerspruch zwischen der Tarifbindungsklausel des Gesetzes und der EU-Entsenderichtlinie gesehen. ‚Er hat auch dafür plädiert, dass höhere Tarifverträge, wenn sie für alle Bieter gleichermaßen gelten, im Sinne des Schutzes der Arbeitnehmer rechtmäßig und damit auch für alle Bieter gleichermaßen gerechtfertigt sind‘, erklärte Schroedter, die im Europa-Parlament für die Entsenderichtlinie zuständig ist.
Die FDP lobte das Urteil der Luxemburger EU-Richter, weil es den Wettbewerb stärke. Die Abgeordnete Sahra Wagenknecht von der Linken nannte die EuGH-Entscheidung hingegen skandalös. ‚Mit diesem Urteil wird Sozialdumping in ganz Europa Vorschub geleistet‘, erklärte Wagenknecht. ‚Um die schlimmsten Folgen des Urteil auf nationaler Ebene abwenden zu können, bleibt nur eins: Auch im Baugewerbe und in anderen Branchen müssen Tarifverträge für allgemeinverbindlich erklärt werden‘, meinte die Sozialistin.
Die obersten EU-Richter hatten ihre Entscheidung damit begründet, dass die niedersächsische Lohn-Vorgabe nicht nach den Vorschriften der EU-Richtlinie festgelegt worden sei. Der Tarifvertrag sei nicht für allgemein verbindlich erklärt worden und er gelte nur für öffentliche Aufträge, nicht aber für private Bauvorhaben. Das Land hätte Unternehmen aus anderen EU-Staaten bestimmte Mindestlöhne nur vorschreiben dürfen, wenn der Bautarif für alle gelten würde.“