Donnerstag 1. März 2007
Als „Aufforderung nun auch in Kindertagesstätten Dumpinglöhne einzuführen, Personal nach Kostengesichtspunkten, statt nach Qualität einzustellen und Vollzeitarbeitsplätze abzubauen“ hat die nordrhein-westfälische ver.di-Landesleiterin Gabriele Schmidt die bekannt gewordenen Details des neuen Kindergartengesetzes genannt. In diesem Zusammenhang sei es „bezeichnend, dass die schwarz-gelbe Landesregierung bisher nicht ein einziges Gespräch mit der für die rund 100.000 betroffenen Erzieherinnen zuständigen Gewerkschaft geführt hat“, sagte Schmidt. Offenbar ginge es Minister Laschet mehr darum, Geld umzuverteilen, als eine bessere Förderung der Kinder zu erreichen.
Die Reduzierung des Finanzierungsanteils der Kirchen von 20 auf 12 Prozent „schont zwar die Klingelbeutel, bringt aber keinerlei Verbesserung für die Kinder in Nordrhein-Westfalen“, erklärte Gabriele Schmidt. Im Klartext bedeute dies höhere Kosten für Land und Kommunen und wieder einmal für die Eltern. Die geplante pauschale Budgetierung der Personalkosten, die bisher beim Land „spitz abgerechnet werden konnten“, sei darüber hinaus eine „Aufforderung an die Träger, Löhne abzusenken“, sagte die ver.di-Landesleiterin. Bei Bruttogehältern von 1.900 Euro nach dreijähriger Fachschulausbildung bis maximal 2.600 Euro würde der Ministervorschlag dazu führen, ältere Erzieherinnen aus dem Berufsleben zu drängen, weil jüngere Kräfte billiger sind.
Wenn Kindertagesstätten keine Aufbewahrungsanstalten sein sollen, müssten Finanzierung, Öffnungszeiten und Personalausstattung mit pädagogischen Zielen verbunden sein. „Eine Verlängerung der Öffnungszeit auf 45 Stunden ist dann kein Problem, wenn Rahmenbedingungen geschaffen werden, die dem Bildungsauftrag der Kindertagesstätten gerecht werden“, sagte Schmidt. Wahrscheinlich würden „auch die künftigen Betreuungsschlüssel ausschließlich mit den Arbeitgebern vereinbart, ohne Eltern und Erzieherinnen zu berücksichtigen.“ Die von Laschet beibehaltene Gruppenstärke von 25 Kindern sei „ein Indiz dafür und beschämend für ein Land wie Nordrhein-Westfalen“, erklärte die Gewerkschafterin. Laschets bekannt gewordenen Vorschläge wären ein Rückschritt in der vorschulischen Ausbildung. Eine Verbesserung für die Kinder sei nicht in Sicht.