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Mindestlohn-Tour 2007
ARM TROTZ ARBEIT
Die Sendung zur Arbeit
Abstimmung

Welche Höhe soll ein gesetzlicher Mindestlohn in Deutschland haben?

  • 6,00 Euro
  • 7,50 Euro
  • 9,00 Euro
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Meinungen

 

Dienstag 15. Mai 2007

Regierung lässt Betroffene im Regen stehen

„Es ist enttäuschend, dass die große Koalition nach monatelangen Verhandlungen die gut 2,5 Millionen Menschen, die Hungerlöhne beziehen, weiter im Regen stehen lässt“, sagte DGB-Vorsitzender Michael Sommer am 15. Mai zu den Nichtergebnissen des Koalitionsausschusses. Sommer weiter: „Wir appellieren eindringlich an die Union, einen angemessenen Mindestlohn von 7,50 Euro nicht länger zu blockieren. Die Menschen brauchen ihn jetzt und nicht in weiter Ferne.“ Es helfe ihnen auch nicht, wenn der Mindestlohn zum Wahlkampfthema 2009 würde.

Die in der Koalition diskutierte Ausweitung des Entsendegesetzes wäre ein nicht ausreichender Minischritt. Er wäre auch noch vollkommen wirkungslos, wenn sich die Union mit ihrer Forderung durchsetzen sollte, Anträge auf Allgemeinverbindlich-Erklärungen nur noch im Tarifausschuss zu entscheiden. Dann könnte die BDA weiterhin jeden Mindestlohn mit ihrem „Nein“ torpedieren. Auch die von der großen Koalition alternativ diskutierte Ausdehnung des Entsendegesetzes auf Branchen, die das beantragen, macht einen Mindestlohn nicht überflüssig. Denn in vielen Bereichen ist es nicht möglich - auch weil die Arbeitgeber es verhindern wollen - repräsentative und bundesweite Tarifverträge abzuschließen oder zu erzwingen.

Inhaltlich zeichnten sich völlig unbefriedigende Lösungen ab, die vor allem darauf hinauslaufen würden, die negativen Folgen der Verweigerung eines gesetzlichen Mindestlohns abzumildern. Das gelte z.B. für den Prüfauftrag, Einkommen zwischen 800 und 1.300 Euro ganz oder teilweise von Sozialversicherungsbeiträgen zu befreien. Das würde natürlich den Betroffenen helfen. Aber auch diese angedachte Maßnahme wäre bei einem ausreichenden Mindestlohn schlichtweg überflüssig.

 

Autor: Bernd Steinmann · Rubrik: Meinungen
 



Montag 14. Mai 2007

Bundestagspräsident Norbert Lammert ist gegen Dumpinglöhne, aber ...

ver.di hat am 14. Mai 2007 auf dem Mittelstreifen Paul-Löbe-Allee, vor dem Deutschen Bundestag, eine Mahnwache gegen die drohende Dumpingvergabe der Bewachung des Bundestages abgehalten.

Dabei konnten die Wachfrauen und Wachmänner auch mit Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU/CSU) sowie Direktor des Deutschen Bundestag diskutieren.

Lammert nahm die gesammelten Unterschriften an. Er sagte, er sei dagegen, dass im Bundestag Niedriglöhne gezahlt würden. Allerdings fand er dann doch eine geschmeidige Formulierung, die ich nicht mitgeschrieben haben. Sinngemäß sagte er, er könne letztlich naicht alles prüfen. Wenn ver.di jedoch haltbare Informationen habe, das was schief laufen würde, dann sollte man sich bei ihm melden.

Und dann der kleine Tritt vor das Schienenbein: Wir achten schon darauf, dass bei uns im Haus Tariflöhne gezahlt werden. Tariflöhne, die sie ausgehandelt haben.

Susanne Meinke, ver.di-Fachsekretärin für den Bereich Bewachung, überreichte Lammert dann noch den Pin: Kein Lohn unter 7,50 Euro. Der Bundestagspräsident nahm ihn schmunzelnd entgegen

 

Autor: Bernd Steinmann · Rubrik: Meinungen
 
Sonntag 13. Mai 2007

Kommunikation und Sicherheit sind keine Schmierseife

Die Nachrichtenagentur dpa brachte schon vor Wochen ein Gespräch mit Josef Scheurin, Vorsitzender des GdP-Bereichs Bundespolizei. Ich habe bisher nicht die Gelegenheit gehabt, das zu bloggen. Jetzt kommt es mir wieder auf den Bildschirm. Erinnert sei an die Einsparungsversuche des Bundestages durch Lohndumping bei Sicherheitskräften und jetzt auch noch bei Reinigungskräften.

„Luftverkehr/Sicherheit/GdP: Billigkräfte an Flughäfen bringen Sicherheitsprobleme

Frankfurt/Main (dpa) - Der zunehmende Einsatz von Billigkräften bei den Kontrollen an den deutschen Flughäfen führt nach Darstellung der Gewerkschaft der Polizei (GdP) zu steigenden Sicherheitsproblemen. Die geringe, für den Lebensunterhalt nicht mehr ausreichende Bezahlung nehme den Menschen nicht nur Selbstwertgefühl und Arbeitsmoral, sondern mache sie auch anfällig für Korruption, sagte der der Vorsitzende des GdP-Bereichs Bundespolizei, Josef Scheuring, in einem dpa-Gespräch. Auch die Sicherheitsüberprüfungen des Personals brächten keinen umfassenden Schutz vor potenziellen Terror-Helfern.

Eine Folge der schlechten Bezahlung sei zudem eine permanente Fluktuation auf Posten, an denen eigentlich Erfahrung dringend benötigt werde. Allein aus diesem Grund sinke die Qualität der Kontrollen schleichend. Dies ergäben auch immer wieder Testläufe der Bundespolizei.

Der GdP-Mann plädierte dafür, die 1993 beschlossene Privatisierung der Luftsicherheitsaufgaben rückgängig zu machen. ‚Für uns ist das eine hoheitliche Aufgabe des Staats, die er leisten muss.‘ Dies müsse nicht zwangsläufig zu Erhöhungen der von den Passagieren erhobenen Luftsicherheitsgebühren führen. Die Sicherung des Luftverkehrs sei genauso eine hoheitliche Aufgabe wie die des Bahnverkehrs.

Am Frankfurter Flughafen wird nach Scheurings Angaben gerade versucht, einen Brutto-Stundenlohn von 7,13 Euro für die Kontrolleure durchzusetzen. ‚Davon kann man im Rhein-Main-Gebiet nicht leben‘, meinte Scheuring.“

Scheuring macht auf einen zentralen Punkt aufmerksam. Öffentliche Arbeitgeber aus Gemeinde-, auf Landes- wie auch auf Bundesebene machen mit beim Lohndumping. Sie Bewachungsgewerbe, Abfallentsorgung, Reinigung usw. In Hessen gibt es schon einen privaten Knast.

Sicherheit, überall Sicherheit. Und dann hören wir, dass bei der Bewachung des Bundestages – also da, wo unsere VertreterInnen die Regierung kontrollieren, dass da Leute arbeiten, die einen Hungerlohn bekommen. Gleiches auf den Flughäfen. Was kommt da noch alles raus?

Privatisiert doch auch die anderen Sicherheitsorgane: Verfassungsschutz, Bundesnachrichtendienst, Bundeswehr. Was gibt es denn sonst noch?

Mein alter Vorsitzender sagte immer: „Kommunikation ist keine Schmierseife.“ Deshalb könne/dürfe damit auch nicht am Markt wie mit Schmierseife gehandelt werden. Recht hat es. Siehe Telekom. Sie oben.

 

Autor: Bernd Steinmann · Rubrik: Meinungen
 
Mittwoch 4. April 2007

Wunderschön

Aus einem Interview der Süddeutschen Zeitung, 4. April 2007, mit Matthias Platzeck, kurzzeitiger SPD-Vorsitzender und Ministerpräsident Brandenburgs, zum Mindestlohn.

SZ: „Als Sie das Thema (Mindestlohn) als Parteichef aufwarfen, haben Kurt Beck und Franz Müntefering noch die Zähne gefletscht.“

Platzeck: „Politik ist ein Prozess, und wir alle lernen immer dazu.“

 

Autor: Bernd Steinmann · Rubrik: Meinungen
 
Freitag 30. März 2007

Warum handeln die Gewerkschaften betriebsnahe Lohnregelungen nicht selbst aus?

Fragte Thomas Habicht am 29. März im radioBERLIN 88,8.

Ich meine, da hätte er doch einfach mal bei ver.di, bei NGG nachfragen oder sich auf www.mindestlohn.de kundig machen können.

Er sagte weiter: „Im Koalitionsstreit um die Mindestlöhne spielen parteipolitische Profilneurosen eine Hauptrolle. Die SPD will sich endlich wieder als Anwalt der sozial Schwachen profilieren, während es der CDU/CSU um Wirtschaftskompetenz geht…“

Brav kommentiert, Thomas Habicht, der dann behauptet: „Staatlich verordnete Mindestlöhne können das Problem nicht lösen…“

Die Höhe des Mindestlohnes soll auf Vorschlag einer Expertenrunde festgelegt werden. In Großbritannien klappt das.

Und dann wundert sich Habicht: „Unverständlich ist, warum die Gewerkschaften nach dem Staat rufen, statt es sich zuzutrauen, betriebsnahe Lohnregelungen selbst auszuhandeln.“

Also, Thomas Habicht. Verhandeln kannst du nur, wenn es einen Gegenüber gibt, der das auch will. Wo es solche Unternehmerverbände nicht gibt, oder sie sich Tarifverhandlungen verweigern, da können die Gewerkschaften nichts aushandeln.

Und was heißt denn „betriebsnahe“ Lohnregelungen? Meint das die unsäglichen „betrieblichen Bündnisse“?

 

Autor: Bernd Steinmann · Rubrik: Meinungen
 

Donnerstag 29. März 2007

Wort aus Meißen

Die Teilnehmenden der Tagung „Solidarität - die andere Globalisierung“ vom 23. bis 25. März 2007 in Meißen, organisiert von der Evangelischen Akademie Meißen, der Arbeitsstelle Eine Welt in der Ev.-Luth. Landeskirche Sachsens, dem Leipziger Missionswerk und dem Ökumenischen Informationszentrum, Dresden, fordern in einem Papier einen gesetzlichen Mindestlohn von mindestens 7,50 Euro pro Stunde, „der ein Leben in Würde sichert und eine weitere Preis- und Lohnkonkurrenz nach unten verhindert“.

Außerdem nehmen sie „mit Besorgnis zur Kenntnis, dass der Sozialstaat heute vielfach nur noch als Kostenfaktor und Wachstumsbremse betrachtet wirdW. Aus politisch verursachtem Kostendruck würden öffentliche Aufgaben der Daseinsvorsorge wie Gesundheit, Wasser- und Energieversorgung, Bildung, Verkehr (aktuelles Beispiel: die Bahn) und öffentliche Dienstleistungen privatisiert. „Die ausreichende Versorgung aller Menschen mit diesen Gütern wird so behindert oder ganz versperrt“, heißt es weiter.

 
Dokumente:

Autor: Bernd Steinmann · Rubrik: Meinungen
 

Freitag 2. Februar 2007

n-tv.de Nutzerinnen und Nutzer haben den Durchblick

Gestern lief bei ntv.de eine Abstimmung. Da habe ich doch mal nachgeschaut. Ach ja, die Frage lautet:

„In der großen Koalition werden Mindestlöhne diskutiert - zumindest für bestimmte Branchen. Sind Sie für einen Mindestlohn für alle Arbeitnehmer?“

Bis heute (2. Februar 2007, 11:22 Uhr) haben 2257 Leute abgestimmt.

78 Prozent sind für einen Mindestlohn. 22 Prozent nicht.

Damit werden unsere Umfragen bestätigt. Deutschland ist reif für einen gesetzlichen Mindestlohn.

Zur Abstimmung

 

Autor: Bernd Steinmann · Rubrik: Meinungen
 
Kommentare
Alexander
09. September 12:40

Gesetzlicher Mindestlohn Ich bin für den Gesetzlichen Mindestlohn. Denn ich arbeite momentan fürweiter...

Felicitas
31. August 22:43

Die Zeiten ändern sich und die Meinungen offenbar auch! Erfreulich! Hoffentlich versandet das Thema weiter...

Martin Kolbe
18. August 21:34

ich bin Gehörlose und Behinderten (links Schulter problem seit 2011 unfall in Haus)ich habe Holzbearweiter...

jermaine
17. August 18:54

Sehr toole Aktion. Ich bin selbst seit geraumer Zeit Leiharbeitnehmer und merke langsam immer ...weiter...

Alexander
15. August 10:19

Ja bitte 8,50 € Brutto die std. und man müste nicht wie ich Momentan mit 5,74 € Brutto arbeiten. weiter...

Carola
10. August 12:43

Ich bin als Berufseinstiegsbegleiter tätig es wurde gesagt das ab 01.08.2011 der Mindestlohn 2075,weiter...

Kommentar zu:
Leo Mahr
03. August 21:33

Den Diskussionen über Mindestlöhne, Minijobs, Scheinselbständigkeit, Missbrauch der legalen Zeitarbeweiter...

Marco Schäfer
03. August 20:55

Hallo, ich bin eigentlich gerade auf der Suche wegen den Mindestlohn. Naja wie ich hier entnehmen ...weiter...

Kommentar zu:
Henrike D.
27. Juli 14:55

Eine ganz traurige Entwicklung. In den USA ist dieses Vorgehen ja leider auch normal. Ich kannte ...weiter...

Günther Schulz
20. Juli 12:51

Schade, das ich diesen Beitrag erst jetzt sehe. Ich war letztes Jahr auf Föhr und denke gerne daran weiter...