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Mindestlohn-Tour 2007
ARM TROTZ ARBEIT
Die Sendung zur Arbeit
Abstimmung

Welche Höhe soll ein gesetzlicher Mindestlohn in Deutschland haben?

  • 6,00 Euro
  • 7,50 Euro
  • 9,00 Euro
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Meinungen

 
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Samstag 25. März 2006

Schlechter Stil bei H&M

Neulich bei Frontal21. Thema: Miese Arbeitsbedingungen bei H&M. Wenig schick, was das Unternehmen mit den aktuellen Trends seinen Mitarbeitern in Deutschland als modern verkaufen will.

Nicht im Zentrum der Sendung, aber einen zweiten Blick wert: Stundenlöhner, Stundenlöhnerinnen. Arbeiten auf Abruf, ohne dass ihnen der erfolgreiche Modekonzern eine bestimmte Stundenanzahl oder ein Monatsgehalt vertraglich zusichert. Ein besonderes Klima der Angst herrsche im Niedriglohnbereich. Verständlich.

In Schweden gebe es die Probleme bei H&M nicht. Das Unternehmen passe sich dem jeweiligen Klima in einem Land an, so ein Wissenschaftler. Zu viele Unternehmen passen sich inzwischen ohne schlechtes Gewissen dem deutschen Klima an: Die anderen sind ja auch nicht besser. Auch das irgendwie verständlich.

Doch wer lebt schon gerne in einem Land, in dem das Klima immer schlechter wird? So schlecht, dass es vielen Angst macht?

Zeit, das Klima in Deutschland zu ändern. Ein gesetzlicher Mindestlohn wird nicht alle Probleme der Beschäftigten bei H&M lösen. Aber er wird dabei helfen, das Arbeitsklima in Deutschland zu verbessern.

 

· Rubrik: Meinungen
 
Dienstag 21. März 2006

Was ist der gerechte Lohn für Arbeit?

Diese Frage stellt Hendrik Munsberg in seinem Kommentar, Berliner Zeitung vom 20. März 2006. Und er arbeitet sich dann daran ab. Längst sei der deutschen Öffentlichkeit, aber auch den Ökonomen der Maßstab für eine angemessene Entlohnung abhanden gekommen, schreibt Munsberg. Und er stellt die Frage: „Was aber geschieht, wenn die Entlohnung des Marktes - am unteren und am oberen Ende der Skala - den herkömmlichen Kriterien, Aufwands- und Bedarfsgerechtigkeit, immer stärker Hohn spricht?“ Dann bekomme, so Munsberg, eine Gesellschaft wie die deutsche ein soziales Problem. Deshalb habe Kanzlerin Angela Merkel Recht, wenn sie gegen Widerstand aus ihrer eigenen Partei prüfen lasse, „ob Mindestlöhne nicht auch für Deutschland sinnvoll sind“.

Vielleicht hat sich Hendrik Munsberg ja hier oder auf mindestlohn.de informiert. Würde uns freuen. Kommentar in der Berliner Zeitung.

 

Autor: Bernd Steinmann · Rubrik: Meinungen
 
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Donnerstag 16. März 2006

Hans-Werner (von) Sinn(en)

„Marktwirtschaft funktioniert mit dem Menschen, so wie er ist: ein egoistisches, profitsüchtiges Individuum, das seinen Konsum maximieren will.“ Sagt Hans-Werner Sinn, Präsident des Ifo Instituts für Wirtschaftsforschung, in einem Streitgespräch mit Christian Führer, Pfarrer an der Leipziger Nikolaikirche (chrismon 3/2006, S. 27).

Er plädiert dafür, sich dem Konkurrenzkampf zwischen Mensch und Maschine, zwischen deutschen Arbeitern und Arbeitern aus exkommunistischen Ländern zu stellen. Lohnstrukturen, die dabei entstünden, müssten akzeptiert werden - auch Hungerlöhne.

Die Argumentation von Hans-Werner Sinn hätte durchaus etwas für sich. Wenn Menschen tatsächlich von Natur aus unverbesserliche Egoisten wären. Offenbar aber scheint es anders zu sein. Drei Beispiele aus Deutschland:

- Die Deutschen sind besonders spendenfreudig. Und mehr als ein Drittel der Deutschen engagiert sich in einem Ehrenamt. Frauen arbeiten freiwillig vor allem in den Bereichen Familie und Soziales, Männer als Rettungssanitäter, Feuerwehrmänner, Wahlkandidaten. Gewinnorientierte Profitsüchtige?

- Über die Hälfte der Deutschen hat sich in einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Infratest dimap für einen gesetzlichen Mindestlohn ausgesprochen. 89 Prozent von den Befürwortern halten 7,50 Euro für „angemessen“ oder „zu niedrig“. Bestünde die deutsche Gesellschaft nur aus Egoisten - würden 57 Prozent der Deutschen anderen einen Mindestlohn gönnen?

- Eltern: auch in Deutschland soll es sie noch geben. Alles andere als profitsüchtig nehmen sie nicht nur die eigenen, sondern auch „fremde“ Kinder mit ins Schwimmbad oder auf die Rodelbahn. Verzichten auf tolle Auslandsreisen, weil sie sich für Kinder entschieden haben. Minimieren den eigenen Konsum ihren Kindern zuliebe. Alles Trottel?

Irgendwann jedoch ist der Punkt erreicht, wo Appelle an Selbstlosigkeit und Verzicht einen schalen Beigeschmack bekommen und auf taube Ohren stoßen. Wer in eine unsichere Zukunft blickt, fragt sich zu Recht: In dieser Situation Kinder bekommen? Werde ich für sie sorgen können? Werden sie ein menschenwürdiges Leben führen können? Werden sie einmal Arbeit haben? Oder werden sie auf Almosen angewiesen sein?

Deutschland hat die geringste Geburtenrate in Europa. Ein Beweis für die These von den unverbesserlichen Egoisten? Eher das Gegenteil. Man ist sich offenbar der Verantwortung bewusst und zögert. Für Frauen kommt zu diesen Bedenken noch der Umstand, dass Mütter nachweislich schwerer in Führungspositionen gelangen. Nach unten scheint für Frauen fast alles offen zu sein, nach oben fast alles geschlossen.

Und zumindest ein Teil der Ehrenamtlichen fragt sich inzwischen: Immer nur umsonst und für Hungerlöhne arbeiten? Anderen helfen und selbst mit den Problemen am Arbeitsmarkt kämpfen? Und: Die „Nester“, in denen Ehrenamtliche besonders gut gedeihen, Kirchen und Gewerkschaften, haben selbst Probleme.

Der Mensch ist mehr als ein profitsüchtiger Egoist.

Deshalb darf er nicht auf einen Spielball am Markt reduziert werden. Dadurch könnte er im Extremfall zwar zu dem werden, als das ihn Hans-Werner Sinn schon heute sieht. Aber welcher Mensch, der seinen und anderen Kindern eine Zukunft unter menschenwürdigen Bedingungen wünscht, kann das ernsthaft wollen?

Auch Hilfsbereitschaft und die Bereitschaft, niedrige Löhne zu akzeptieren, dürfen nicht grenzenlos ausgenutzt werden. Menschen machen sich über diese Dinge offensichtlich mehr Gedanken, als es manch einem profitsüchtigen Individuum Recht ist. Auch das zeigt der Blick auf Deutschlands Position als Schlusslicht der europäischen Geburtenrate. Ein Mindestlohn wäre nicht die Lösung aller Probleme, aber er wäre ein Zeichen, dass wir es ernst meinen mit der Menschenwürde.

Hoffen wir, dass sich unsere Bundeskanzlerin nicht an düsteren Menschenbildern orientiert, sondern am christlichen Menschenbild. Danach ist der Mensch ein sittliches Subjekt, weil er zwischen Gut und Böse unterscheiden kann. Und weil er fähig ist, Entscheidungen zu treffen, selbstbestimmt zu handeln und dafür Verantwortung zu tragen.

 

· Rubrik: Meinungen
 
Mittwoch 15. März 2006

Wie hoch ist der Mindestlohn in anderen Ländern

Auf der Seite Mindestlohn.de informiert die Initiative Mindestlohn über die Höhe der Mindestlöhne in Europa und den USA. Dies ist mit einer Grafik unterlegt. Mindestlohn.Blog und Mindestlohn.de gehören zusammen. Diesen Artikel sowie die dazugehörige Grafik kann sich jede/jeder ansehen. Das Buch „Mindestlöhne in Europa“ von Thorsten Schulten/Reinhard Bispinck/Claus Schäfer gibt auch Aufschlüsse über Mindestlöhne in Europa. Erschienen im VSA-Verlag. Bei Eurostat können entsprechende Grafiken angesehen werden.

 

Autor: Bernd Steinmann · Rubrik: Meinungen
 
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Freitag 10. März 2006

Mindestlohn statt Höchstprofit

„Wir haben keine Belege gefunden, dass Unternehmen durch die Mindestlöhne aus dem Markt gedrängt wurden. Da drängt sich natürlich die Frage auf, ob Firmen vorher übermäßige Gewinne gemacht haben.“ So laut Handelsblatt der britische Ökonom Stephen Machin. Arbeitgeber und wirtschaftsnahe Ökonomen in Deutschland predigen noch immer das Märchen vom Jobkiller Mindestlohn. Zur Sicherung der Gewinne nutzen sie die Verunsicherung der Menschen. „Lieber einen schlecht bezahlten als gar keinen Job“, denken viele. Doch Erfahrungen in anderen Ländern zeigen:

Der Mindestlohn ist kein Jobkiller. In Großbritannien ist die Arbeitslosigkeit seit Einführung des Mindestlohns sogar gesunken. Obwohl er mehrfach auf umgerechnet knapp acht Euro erhöht wurde. Ein Mindestlohn von zunächst 7,50 Euro erhöht die Einkommen von Millionen Beschäftigten in Deutschland. Sie geben das zusätzliche Einkommen fast vollständig wieder aus. Das bedeutet mehr Nachfrage und schafft mindestens 70.000 neue Arbeitsplätze – so das Ergebnis einer aktuellen Studie. Was ist wichtiger? Noch höhere Gewinne oder mehr Beschäftigung und Arbeit, von der man auch leben kann?

 

· Rubrik: Meinungen
 
Kommentare
Alexander
09. September 12:40

Gesetzlicher Mindestlohn Ich bin für den Gesetzlichen Mindestlohn. Denn ich arbeite momentan fürweiter...

Felicitas
31. August 22:43

Die Zeiten ändern sich und die Meinungen offenbar auch! Erfreulich! Hoffentlich versandet das Thema weiter...

Martin Kolbe
18. August 21:34

ich bin Gehörlose und Behinderten (links Schulter problem seit 2011 unfall in Haus)ich habe Holzbearweiter...

jermaine
17. August 18:54

Sehr toole Aktion. Ich bin selbst seit geraumer Zeit Leiharbeitnehmer und merke langsam immer ...weiter...

Alexander
15. August 10:19

Ja bitte 8,50 € Brutto die std. und man müste nicht wie ich Momentan mit 5,74 € Brutto arbeiten. weiter...

Carola
10. August 12:43

Ich bin als Berufseinstiegsbegleiter tätig es wurde gesagt das ab 01.08.2011 der Mindestlohn 2075,weiter...

Kommentar zu:
Leo Mahr
03. August 21:33

Den Diskussionen über Mindestlöhne, Minijobs, Scheinselbständigkeit, Missbrauch der legalen Zeitarbeweiter...

Marco Schäfer
03. August 20:55

Hallo, ich bin eigentlich gerade auf der Suche wegen den Mindestlohn. Naja wie ich hier entnehmen ...weiter...

Kommentar zu:
Henrike D.
27. Juli 14:55

Eine ganz traurige Entwicklung. In den USA ist dieses Vorgehen ja leider auch normal. Ich kannte ...weiter...

Günther Schulz
20. Juli 12:51

Schade, das ich diesen Beitrag erst jetzt sehe. Ich war letztes Jahr auf Föhr und denke gerne daran weiter...