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Meinungen

 
tagung_gerechter_lohn.jpg
Freitag 2. Juni 2006

„Tarifflucht ist aus sozialethischer Sicht nicht zu rechtfertigen.“

Mit einem Paukenschlag eröffnete der Sozialethiker Dr. Bernhard Emunds die gemeinsame Tagung der Gewerkschaft ver.di, des Diakonischen Werks (DW) in Hessen Nassau und der Evangelischen Akademie Arnoldshain am 30. Mai. Thema der Tagung: „Gute Arbeit verlangt ihren gerechten Lohn. Soziale Dienstleistungen unter Kostendruck“. Schon aus Gründen eines fairen Wettbewerbs müsse das Ziel eine gemeinsame Tarifordnung für alle Anbieter sozialer Dienstleistungen sein.

Zum Artikel auf mindestlohn.de

 

Autor: Bernd Steinmann · Rubrik: Meinungen
 

Kommentare

 
Marc · Dienstag 6. Juni 2006 · 01:14
Jetzt war ja vor kurzem der 1. Juni. Wird es nicht langsam Zeit die Mindestlohn-Aktion nun nach 2 vollen Monaten einzustellen? Die Kanzlerin hat ja ein Machtwort gsprochen.
 
anonym · Dienstag 6. Juni 2006 · 06:55
Nein, denn das wäre dann doch etwas zu rational für eine Gewerkschaft.

Ich denke, hier wird noch etwas Hoffnung auf den Herbst geweckt, damit die zuständigen Gewerkschaftsfunktionäre noch eine wenig mehr von ihrem Budget ausgeben können. Schließlich sind auch sie nur "Arbeitnehmer", wollen etwas zu tun haben und nicht nur rumsitzen.

Nachdem die Gewerkschaft das Saatkorn für den Mindestlohn ausgebracht hat, muss sie allerdings mindestens einmal im Jahr das keimende, zarte Pflänzchen gießen, damit sie vielleicht 2009 - 2011 ernten kann. Das sollte man ihr zubilligen.
 
Waltraud Ramm · Dienstag 6. Juni 2006 · 10:09
Ach liebe Leute, namentlich Marc und anonym, ich hoffe ihr seid nicht traurig, wenn es nicht ganz so rosig für euch aussieht, wie ihr euch das wünscht.

Am Wochenende las ich z.B. in der Wochenzeitung "Christ in der Gegenwart": So sind manche Christen spirituell, liturgisch, religiös vielleicht konventionell 'konservativ'. Sie denken aber zum Beispiel über die Rolle der Frau, über die Vereinbarkeit von Famlilie und Beruf, über Ökologie und Mindestlohn eher 'progressiv', wie auch über notwendige Reformen in der Kirche. Die große Koalition erleichtert den Gläubigen dieser 'linken' Mitte die Verknüpfung von Denkweisen, die bisher unvereinbar erschienen."

Unter http://www.bundeskongress2006.dgb.de/ könnt ihr nachlesen, was Angela Merkel wirklich gesagt hat - falls euch das interessiert. Sie als auch Horst Köhler haben sich jedenfalls im Vergleich zu euch regelrecht differenziert geäußert. Köhlers Rede findet ihr auch hier: http://www.bundespraesident.de/

Schaut doch mal rein...
 
anonym · Dienstag 6. Juni 2006 · 19:20
@Waltraud Ramm

Ihrem Artikel aus der Wochenzeitung "Christ in der Gegenwart" kann ich die Süddeutsche Zeitung entgegen setzen:

"... Wenn eine soziale Mindestabsicherung wie in Deutschland gewährleistet ist, dann sollte Würde vor allem davon abhängen, ob jemand überhaupt arbeitet. Der Lohn und die Art der Arbeit sollten zweitrangig sein.

Dies erfordert jedoch ein Umdenken. Einfache Arbeiten, vor allem bei Dienstleistungen, gelten vielen in Deutschland als wert- und würdelos. Menschen, die die Häuser anderer Leute putzen oder Straßen fegen, sind gesellschaftlich kaum anerkannt. Das gilt sogar für Dienstleistungen, an denen großer Mangel herrscht, etwa in der Altenpflege.
...
Es ist angemessen, dass, wer zumutbare Arbeit ablehnt, von der Gemeinschaft weniger unterstützt wird. Zumutbar ist auch, dass die Kontrollen verschärft werden, um Leistungsmissbrauch zu verhindern. Bei der Korrektur der Arbeitsmarktreform hat die Koalition die richtige Richtung eingeschlagen. ..."

(Quelle: http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/artikel/266/77189/ )
 
Lisa · Dienstag 6. Juni 2006 · 21:05
@anonym 6.6.
Natürlich - wenn mein Einkommen gesichert ist und ich nur einen Zeitvertreib suche, dann sind der Lohn und auch die Art der Arbeit wirklich zweitrangig. Da muss ich meine Gedanken nicht damit zu verschwenden, wie ich mein Dasein finanziere, dann kann ich tun und lassen was mir Spass macht ( und das natürlich mit Würde ).

Nun gibt es von dieser Spezies sicher nicht übermäßig viele.
Alle anderen müssen sich schon überlegen, ob sie sich die angebotene - u. U. niedrig bezahlte - Arbeit überhaupt leisten können um
überleben zu können.
Es scheint, als hätten manche Schreiber in diesem Blog noch nie einen Arbeitsplatz suchen müssen, geschweige denn waren sie mal arbeitslos mit allen Unwägbarkeiten, die damit zusammenhängen.

Die Entscheidung über die Zumutbarkeit von Arbeit ist ein besonderes Kapitel: Wer mutet wem welche Arbeit zu - und wer entscheidet, ob die angebotene bzw. abgelehnte Arbeit für die Person XY zumutbar ist.

Ist es für einen Arbeitssuchenden zumutbar, einen mies bezahlten Job auch noch mit dem eigenen Fahrzeug, Fahrtkosten, Arbeitskleidung, Gesundheit, Freizeit usw. zu subventionieren?

Wer etwas verkauft, möchte etwas verdienen.
Wer seine Arbeitskraft "verkauft", möchte auch etwas verdienen - mindestens soviel, das das es für ein lebenswertes Leben reicht,
für ein Leben in Würde.

 
anonym · Dienstag 6. Juni 2006 · 21:46
@Lisa
"... - Arbeit überhaupt leisten können um
überleben zu können."

Meines Erachtens sind in Deutschland in letzter Zeit keine Menschen verhungert. Wer arbeitet und zuwenig Geld verdient, wird vom Staat unterstützt und der Lebensstandard auf ein erträgliches Maß angehoben. Das ist vollkommen in Ordnung.

"Wer seine Arbeitskraft "verkauft", möchte auch etwas verdienen - mindestens soviel, das das es für ein lebenswertes Leben reicht, für ein Leben in Würde."

Hauptproblem ist hier wohl die Definition von "ein Leben in Würde". Darunter wird wohl jeder etwas anderes verstehen und ich neige eher der Meinung zu, dass die Grenze für "ein Leben in Würde" heute eher zu hoch als zu niedrig angesetzt wird.
 
Christian · Mittwoch 7. Juni 2006 · 12:45
Hallo,

ich bin für einen Mindestlohn!!!
Warum? Damit die Arbeitgeber nicht mehr die Arbeitnehmer AUSNUTZEN!
Ich arbeite als koch in NDS und habe nach allen Abzügen noch einen Stundenlohn von 4,40€... Bei einer Arbeitzeit von 160Std / Monat.
 
Martina · Freitag 9. Juni 2006 · 16:51
An Anonym:
"Meines Erachtens sind in Deutschland in letzter Zeit keine Menschen verhungert. Wer arbeitet und zuwenig Geld verdient, wird vom Staat unterstützt und der Lebensstandard auf ein erträgliches Maß angehoben. Das ist vollkommen in Ordnung."

Wieso ist das vollkommen in Ordnung? Wieso ist es eigentlich den arbeitenden Menschen (Steuerzahler)zuzumuten, die Niedriglöhne, die bestimmte Arbeitgeber bezahlen, zu subventionieren? Denn das ist es doch, was hier geschieht. Nur durch das "Draufzahlen" des Staates (sprich des tatsächlich steuerzahlenden Bürgers) wird überhaupt ermöglicht, dass Arbeitgeber es sich in immer größeren Ausmaß leisten können, Löhne von z. T. unter 4 Euro Brutto pro Stunde für Vollzeitarbeit zu bezahlen, ohne dass der öffentliche Friede gefährdet wird.
 

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