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blog.mindestlohn.de

schrieb am Freitag 8. September 2006 zum Thema Satire:

Nicht China, sondern der "Mindestlohn"

Das Kürzel "IZA" steht für "Institut zur Zukunft der Arbeit". Und eben dieser These [http://de.wikipedia.org/wiki/Institut_zur_Zukunft_der_Arbeit">neoliberale Wissenschaftsladen stellt eine niederschmetternde

In schonungsloser Offenheit lässt uns das IZA wissen:



Als hätten wir alle es nicht schon immer gewusst, legt das IZA den Finger in genau jene Wunde, die den Niedriglohnsektor am meisten schmerzt: Der Internationale Wettbewerb.

Viele dieser Arbeitsplätze würden aus Kostengründen dann nicht mehr in Deutschland angeboten, wenn es einen gesetzlichen Mindestlohn gäbe.

Oh Gott! Wird das grausam.
Kein Taxifahrer mehr, der mich für einen Hungerlohn zum nächsten Bahnhof bringt. Dabei zahle ich doch schon beim Umdrehen des Zündschlüssels 3,50 Euro. Aus und vorbei. Alle Taxi-Unternehmer gehen nach …

Na ja, wohin genau, weiß ich auch nicht. Aber das macht nichts. Denn die Jungs und Mädels vom IZA wissen es ja auch nicht. Wüssten Sie´s, hätten sie uns das bestimmmt verraten. Die Herren Klaus Zumwinkel, Klaus F. Zimmermann, Armin Falk, Hilmar Schneider und Florian Gerster. [http://de.wikipedia.org/wiki/Institut_zur_Zukunft_der_Arbeit]

Dennoch: Das Institut für die Zukunft der Arbeit sagt nur die halbe Wahrheit. Es untertreibt nämlich maßlos, wenn es vor den mit einem "Mindestlohn" verbundenen Gefahren warnt.

Kein Wort über die Sorgen und Nöte jener Branche, die das hiesige Taxi-Gewerbe maßgeblich beliefert: Die Automobil-Industrie.
Ich sehe schon tausende von Bandarbeitern mit Mercedes-Stern auf dem Arbeits-Overall, die nur deshalb entlassen werden, weil in Deutschland nicht ein einziges Taxi mehr verkauft wird.

Nur der Deutsche Sportbund hat Grund zur Freude. Endlich setzt das Volk seinen Appell

"Deutschland braucht Bewegung"

in die Tat um.

Weil kein Taxi mehr fährt und im Bus lauter "1-Euro-Jobber" rumlungern, um uns mit ihren Wehklagen über ihre finanziellen Nöte in den Ohren zu liegen, gehen wir lieber zu Fuß oder greifen zum Fahrrad. Weil mitten in der Nacht kein Zeitungsbote mehr unsere Zeitung bringt, latschen wir zum Kiosk, wenn wir was lesen wollen.
Endlich ist es soweit: Deutschland bewegt sich!

Aber es kommt noch besser!
Es findet sich nämlich keiner mehr, der uns zu einem Hungerlohn den Döner, die Currywurst oder den Burger verkauft. Bier und andere geistige Getränke gibt´s allenfalls noch im Interconti. Das 0,3 Liter Glas Bier zu 6,50 Euro.
Völlig entziehen kann sich die deutsche Wirtschaft dem "Mindestlohn" nämlich auch nicht. Und sei es nur, weil ausländische Geschäftsleute auf ihr deutsches Bier, serviert von einer attraktiven Kellnerin mit gesetzlichem Mindestlohn, für keinen Preis der Welt verzichten wollen.

Der Deutsche Michel indes übt sich in Konsum-Verzicht und findet Freude an Leibesübungen, um zu überleben. Fettleibigkeit, Gefäßerkrankungen und Diabetis Melitius Typ II – ab sofort kein Thema mehr. Während in Berlin immer noch über die Gesundheitsreform debattiert wird, hat sich Deutschland am eigenen Schopf aus dem Morast der Heilmittel- und Behandlungskosten gezogen.

Ja, wir sind wieder wer. Schlank, rank und absolut gesund. "Besser schön und reich als arm und krank", war gestern. Heute gibt es keinen Unterschied mehr zwischen Arm und Reich: Alle sind schön.

Und so blicken die wegen des Gesundheitskults erwerbslos gewordenen bildhübschen Krankenschwestern hoffnungsfroh in die Zukunft. Sie flanieren auf den Flughäfen des Landes herum, beseelt von der Hoffnung auf einen reichen Chinesen, der sie heiraten könnte. Denn längst weiß jede Schwesternschülerin: Nicht vom "Reich der Mitte", sondern vom "Mindestlohn" geht die große Gefahr aus.

URL des Textes: http://blog.mindestlohn.de/6/viewentry/1086


Kommentare

Frank Eßers am 19. September 2006

Merkwürdig finde ich vor allem die stets gleiche Logik der Neoliberalen und Bosse, die nichts anderes besagt als: Da Unternehmer nunmal entscheiden, wann sie wen für wieviel Lohn einstellen, müssen Politik und Gewerkschaften ihnen nach der Pfeiffe tanzen. Wir werden aufgefordert, uns dem Druck zu beugen. Und solen uns auch noch schuldig fühlen, wenn wir gar nicht daran denken, Duckmäuser zu sein!
Mit eben derselben Logik könntre ja auch ein Richter argumentieren: Hätten sie halt gegen den Sie angreifenden Verbrecher keine Notwehr geleistet, dann hätte er sie wahrscheinlich nicht angeschossen. Deswegen spreche ich den Verbrecher frei, den Sie haben ihn provoziert.


Andreas Skowronek am 25. September 2006

Lieber Frank, schöner lässt sich das Ganze nicht pointieren.


Nightdriver am 11. Oktober 2007

Kann man wirklich von 7,50 Euro Brutto bei 160 Stunden monatlich,heutzutage(1200 Euro )eine Familie gut versorgen? Auch wenn man zu Zweit arbeitet,kommt bei einem Normalverdiener nicht wirklich viel zusammen.Von den 1200 Euro z.B. bleiben dann dem höher besteuerten Ehepartner nur noch die Hälfte übrig. Irgendwie kann das so nicht weitergehen das wir alle für dumm verkauft werden. Deshalb schützt ein Mindestlohn in "gerechter Höhe",wir sind nicht die ersten in
Europa,sondern wiedermal blockieren diese "Geiz ist Geil"-Kapitalismusanhänger den fälligen gesetzlichen Mindestlohn in ganz Deutschland. Nur dieses Gesetze kann "made in Germany" noch erhalten,da sonst bald keiner
mehr schlecht bezahlte Arbeit macht.Natürlich kommen zu uns auch schon Asiaten studieren und in Zukunft werden es bestimmt auch einige deutsch-asiatische Ehen mehr sein,das kann nur positiv für uns sein da diese Familien auch einen Schutz vor Ausbeutung in unserem Land brauchen.Zum "Satire-Thema Taxifahrer oben", ist zu sagen das der "Geiz ist Geil-Kunde"natürlich in einem hochwertigen e Highteck-Produkt chauffiert wird ,noch"made in Germany" und dieses auch stolz anerkennen müsste.Aber nationalistisch denken ist uns ja früher mal strikt verboten worden.Diese jeder ist sich selbst am nächsten Mentalität hat schon wiederliche Außmaße erreicht.Eine gänzlich revolutionäre These des Herrn Proffessor Werner (DM-Ketten-Besitzer)die besagt,das man alle Subventionen an Firmen abschafft und dafür jeden einzelnen Bürger subventioniert und das noch in ganz Europa,würde laut seiner Ausführungen
vielen Investoren Europa wieder schmackhaft machen und die arbeitende,oder auch nicht,Bevölkerung wieder interresant machen,da ja nach seiner These "Alle" eine Mindestversorgung vom Staat bekämen.Ich bin für mehr Gerechtigkeit für unsere arbeitende und nicht mehr arbeitende Bevölkerung, jeder Mensch in unserem Europa und auf der ganzen Welt natürlich auch, bleibt ein Mensch vor seinem Gott und die Freude über den eigenen Wert liegt auch an einem zufriedenen Dasein in unserer Gesellschaft. Wir können weiterhin alles das erhalten was wir brauchen und lieben, aber ohne langfristige große Veränderungen/Verbesserungen basteln wir nur
an unserer kranken/kapitalistischen Gesellschaft herum.Wenn wir wirklich ein Europa sind, dann muß der Mindestlohn für alle Branchen sofort durchgesetzt werden, England, Frankreich,Spanien haben das schon gemacht ,doch es nützt uns nur etwas wenn er
auf lange Sicht in ganz Europa harmonisiert wird."Kämpft für unsere "soziale" Marktwirtschaft", wir brauchen Abgeordnete und Politiker die längerfristig in unser
Europa sehen und hervoragende revolutionäre Lösungen ,Ansätze für die Menschen schaffen.

Bis bald ,ich muß jezt los.
Gruß "Nightdriver"


Peter am 28. August 2008

Weiterhin ein aktuelles Thema... Auch wenn ich Mindestlöhne pauschal für eine zweischneidige Sache halte, denke ich, es muss hier langfristig etwas getan werden.

Gerade geht es wieder durch die Presse: Fast ein Viertel der deutschen Arbeitnehmer gehören mittlerweile zu den Geringverdienern.