Dienstag 12. Juli 2011
Wir hatten den Mitgliedern des Bundestages unser Buch: „Leben ohne Mindestlohn - Arm wegen Arbeit Niedriglöhner, Leiharbeiter und ‚Aufstocker‘ erzählen“ angeboten. Ganz einfach: Per FAX-Rückantwort. Das haben natürlich nicht alle gemacht. Die MdBs müssen natürlich viel lesen. Das beschreibt der SPD-Abgeordnete Marc Bülow in einem lesenswerten Artikel „Demokratie im Schweinsgalopp“, Freitag, 30. Juni 2011.
Dort heißt es: „Am Montag, dem 6. Juni beschließt das Kabinett die Vorlage zu 14 Einzelgesetzen, die zu einem Gesamtpaket geschnürt werden. Mit den Anträgen der Opposition kommt es ohne die Last-Minute-Änderungsanträge zu mindestens 29 Abstimmungen. Damit liegen über 1.000 Seiten Gesetzesentwürfe und Stellungnahmen der Sachverständigen vor. Dazu mindestens genauso viele Seiten Hintergrundpapiere, Empfehlungen und Beurteilungen von Verbänden, Instituten und Interessensvertretern.“
Ist ne Menge Holz.
Und weiter schreibt Bülow: „Schon am gleichen Tag treffen die Regierungsfraktionen ihre Vorentscheidung. Der FDP-Abgeordnete Sebastian Körber twittert: ‚Habe gerade über 350 Seiten Papiere auf dem Schreibtisch zur Energiewende und dafür 1,5 Stunden Zeit bis zur Fraktionssitzung.‘
Ende des Zitats. Richtig gut ist allerdings dann noch die Unterzeile: „Kaum ein Abgeordneter durchschaut noch, was er beschließt – ein besonders krasses Beispiel ist der Atomausstieg“
Aber hier geht es ja um den gesetzlichen Mindestlohn. Um unser Buch. Nicht alle Abgeordnete haben das Buch also bei uns abgefragt. Aus zwei Briefen, die wir erhielten möchte ich zitieren:
Lars Klingbeil, SPD, schreibt: „Ich finde den Ansatz spannend persönliche Berichte von Betroffenen und wissenschaftliche Gutachten zu verbinden. So könnte es gelingen, die Schicksale und den handlungsbedarf zu verknüpfen. Ein allgemeiner Mindestlohn führt zu einer Wertschätzung von Arbeit.“ Die öffentliche Zustimmung zu einem Mindestlohn gebe es, politische Zustimmung sei daraus jedoch noch nicht geworden. Klingbeil schließt mit dem Angebot: „Lassen Sie uns auch in Zukunft gemeinsam für einen allgemeinen Mindestlohn streiten.“
Der stellvertretende Vorsitzende der Arbeitnehmerguppe der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Dr. Matthias Zimmer, schreibt: „Persönlich bin ich einem Mindestlohn nicht abgeneigt. Er darf Gewerkschaften aber nicht von ihrer Verantwortung entbinden, für anständige Tarifabschlüsse zu streiten. Ein Mindetlohn kann daher meinem Verständnis nach nur ein nachgelagerter Mindestlohn sein, der die menscvhen in quasi gewerkschaftsfreien Branchen vor Lohndumping schützt.“
Der Abgeordnete Zimmer schließt mit der Bemerkung: „Ich wünsche mir, dass gewerkschaften auf die sinkenden Organisationsgrade die richtigen Antworten finden. Ansonsten sehe ich die gefahr, dass Sie künftig nur noch Beobachter dessen sein werde, was Sie in Ihrem Buch zu Dumpinglöhnen schreiben.“
Ja, machmal machen Schreiben auch Spaß.